030 / 403 657 837 (Sprechstunde: Di, 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr)|  redaktion@premium-chancen.de

7. Dezember 2022

Update E-Batterie: Was ist der Stand der Technik?

Das Thema E-Batterie fehlt momentan in kaum einem Börsenbrief. Auch auf YouTube oder Facebook kennen die Anleger und Analysten nur dieses Thema: Wer baut die nächste Super- oder Zauberbatterie? Dabei entsteht rasch der Eindruck, nächstens haben wir also eine E-Batterie, die selbst der Vielfahrer nur zwei- oder dreimal pro Jahr aufladen muss.

Die Diskussion entfernt sich leider zunehmend von allen Naturgesetzen. Mir ist es ein großes Bedürfnis zur Versachlichung dieser emotionalen Diskussion beizutragen. Ich hole kurz aus: Vor einigen Tagen bin ich einen neuen Tesla Model Y auf der Strecke Augsburg-Düsseldorf – ein Weg knapp von 600 Kilometer – zur Probe gefahren. Dabei musste ich bei flotter Fahrweise etwa alle 300 Kilometer eine Ladestation aufsuchen.

Da das Navigationssystem des E-Autos meine Route kannte, wurde ich unter Berücksichtigung des Ladestands der E-Batterie exakt zum nächsten Tesla-Supercharger geleitet. Diese Stationen waren regelmäßig etwa mit einem Bäcker oder einer tankstellen-ähnlichen Verkaufsstelle ausgestattet. Ich habe also die Toilette aufgesucht und einen Kaffee genommen. Nach rund 20 Minuten war der Ladevorgang zu 80 % abgeschlossen, sodass ich meine Reise fortsetzen konnte. Die Ladestationen der nächsten Generation werden für diesen Vorgang nur noch rund 10 Minuten benötigen.

Warum erzähle ich Ihnen das so ausufernd? Die immer noch begrenzte Reichweite der E-Batterien ist vor dem Hintergrund immer leistungsfähigerer Ladestationen nicht mehr das große Problem. Das sehe nicht nur ich so, sondern auch die ganze Branche. Anders formuliert: Derzeit arbeitet kein E-Autobauer oder Batterie-Entwickler mit besonderem Fokus an noch leistungsstärkeren Speichersystemen. Ich formuliere böse: Ignorieren Sie einfach das Gerede von der Multi-Tausend-Kilometer-Batterie! Die steht definitiv nicht auf der Agenda der Entwicklungsabteilungen bei Tesla, VW, Quantumscape oder Freyr Battery.

Das sind die Prioritäten der Ingenieure: Umwelt und Preis

Der Fokus der Entwickler liegt derzeit auf zwei Ebenen: einmal auf der Ökologie und zum anderem auf der Ökonomie. Derzeit werden die E-Batterien des Massenmarktes zu rund 50 % recycelt, sofern sie nicht in stationären Speichern (Second Life) verbaut werden. Die Recycling-Quote orientiert sich zurzeit rein am Gewicht der Batterie. Was bedeutet das in der Praxis?

Die Quote 50 % erreichen Sie bereits, wenn Sie das Gehäuse, einige Kabel und Platinen herauslösen. Faktisch werden die wertvollen Materialien wie Kupfer, Kobalt, Aluminium und auch Lithium immer noch auf den Sondermüll gefahren. Für uns als Aktionär der Livent und Albemarle ist dieser Befund natürlich recht angenehm. Anders formuliert: Der Lithium-Markt kennt immer noch fast keine Sekundärversorgung aus dem Recycling.

Nun, E-Batterien sind hochgiftig. Niemand von uns will eine entsprechende Deponie in der Nachbarschaft haben. Deshalb wird die EU ab 2025 die Recycling-Quoten neu regeln. Diesmal wird man sich nicht mehr am Gesamtgewicht der E-Batterie orientieren, sondern Quoten pro Material vorschreiben. Mit diesem Regime will man langfristig Quoten von rund 90 % erreichen.

Folglich steht die Branche seitens des Gesetzgebers massiv unter Druck, nächstens eine Batterie zu entwickeln, die sich zu vertretbaren Kosten wiederaufarbeiten lässt. Findet man diese Batterie nicht, kommen auf die Autobauer wie Tesla oder VW, die die E-Batterien zurücknehmen müssen,  exorbitant hohe Kosten zu. Oder eben auf deren Kunden.

Die zweite Priorität: der Preis pro Zelle oder Kilowattstunde. Vor allem die konventionellen Autobauer leiden derzeit, weil sie pro E-Auto relativ wenig verdienen. Ursächlich dafür ist der hohe Preis der E-Batterie. Aktuell drehen die Entwickler an zwei Stellschrauben. Erstens sollen die Produktionskosten reduziert werden. Wie soll das funktionieren?

Der Dreiklang zum Erfolg: Die Batterie der nächsten Generation wird nur noch in wenigen Produktionsschritten hergestellt. Man hofft zudem, dass man weniger (teuren) Maschinen- oder Robotereinsatz benötigt. Ferner setzt man darauf, dass die Giga-Fabriken möglicherweise eher kompakt ausfallen und nicht hektargroße Flächen benötigen. Diesen Aspekt darf man nicht unterschätzen, zumal allein in Europa bis 2027 bis zu 19 Giga-Standorte für die Zellenproduktion aufgebaut werden. Natürlich sind Unternehmen wie VW, Panasonic, Amperex (CATL) oder Samsung daran interessiert, dass der Aufbau dieser Produktionen nicht Unsummen verschlingt.

Die zweite Stellschraube: Die neue E-Batterie soll gemessen an den Materialkosten günstiger als die aktuellen Speichersysteme sein. Dabei zielt man besonders auf die Batterie-Rohstoffe Aluminium und Kupfer. Die Technologie ist da, und ich bin sehr zuversichtlich, dass die Reduzierung der genannten Rohstoffe gelingen wird. Hier ist die Branche über das Stadium der (theoretischen) Grundlagenforschung bereits weit hinaus.

Es besteht die realistische Hoffnung, dass die Batterien der nächsten Generation bis zu 50 % günstiger sein werden als die aktuellen Systeme. Diesen Preiseffekt wird die Branche natürlich noch nicht gleich 2025 in der Gewinnrechnung spüren. Schließlich muss der Aufbau der Produktionskapazitäten in Europa und Nordamerika finanziert werden.

Butter bei die Fische: Wer ist dran an der neuen Batterie?

Ich weiß schon: Ich soll nicht so viel schreiben, sondern einfach den Namen des Batterie-Champions rauslassen. Es tut mir leid, ich habe jetzt einen Stimmungskiller für Sie. Der aktuell führende Batterie-Entwickler heißt 24M Technologies Inc. Das Startup ist in Cambridge (Massachusetts, USA) beheimatet. Ein Börsengang der kleinen Technologie-Schmiede ist nicht absehbar. Hier haben sich in den letzten grob 24 Monaten – neben diversen Risikokapital-Investoren – VW zu rund 25 % eingekauft, sowie der japanische Mischkonzern Itochu. Beide Unternehmen sind nicht an der schnellen Rendite interessiert, sondern möchten vor allem die Technologie aus dem Startup absaugen.

Freilich haben wir eine Möglichkeit, zumindest indirekt von der 24M-Batterietechnologie zu profitieren. Denn das börsennotierte norwegische Startup Freyr Battery verfügt über eine Lizenz und darf nächstens in Europa die Entwicklung der 24M produzieren. Aber: 24M ist in derart starker Position, dass man aktuell an jeden in dieser Welt die Technologie auslizenziert.

Deswegen habe ich mit der Aktie der Freyr schon einige Probleme. Faktisch stützen die Norweger ihr Geschäftsmodell ausschließlich auf zwei (nicht exklusive) Lizenzen. Die zweite stammt von einem taiwan-chinesischen Materialhersteller namens Aleees (zuvor Advanced Lithium). Ich sehe Freyr Battery momentan ziemlich technologie-schwach. Natürlich arbeitet man an diesem Defizit und hat jüngst ein Forschungslabor in den USA eingerichtet. Der Erfolg dieser eigenen Aktivitäten ist allerdings kaum prognostizierbar.

In den letzten Redaktionssprechstunden habe ich mit einigen unter Ihnen die Hype-Aktie der Freyr diskutiert. Ich bin der Meinung, dass wir die Norwegen-Aktie erst einmal nicht brauchen. Erst vor wenigen Tagen hat der Titel ein frisches Verkaufssignal generiert.

So packen wir die Smart Mobility an

Sie haben sicherlich verstanden: Ich bin elektrisiert, ich bin so euphorisch wie nicht mehr seit dem Erfolg des Internet/E-Commerce. Ich bin mir absolut sicher, im Markt der E-Mobilität oder der Smart Mobility wird es in den kommenden Jahren rappeln. Dafür brauchen wir meines Erachtens noch nicht einmal eine Wunderbatterie. Es geht in diesem Markt nicht nur um Batterie. Wir sind konfrontiert mit einer vollständigen Neudefinition oder Revolution der Mobilität. Wir werden uns nicht nur mit Batterie befassen müssen, sondern auch mit verwandten Untersegmenten wie Ladeinfrastruktur oder Sensor-Technologie für den Selbstfahrer. Das soll Ihnen klar sein: Das Auto der näheren Zukunft hat nicht nur einen E-Motor, sondern auch ein ausgeklügeltes Assistenzsystem, das den Autofahrer langfristig zum Selbstfahrer bringen kann.

Das ist meine Taktik: Gegenwärtig befinden sich die Aktien der E-Mobilität bzw. Smart Mobility in der Baisse. Folglich werden Sie in diesem Jahr sehr wahrscheinlich keine Neuempfehlung für eine E-Aktie von mir lesen. Das wird sich allerdings im nächsten Jahr ändern.

In meinem Börsendienst RENDITE TELEGRAMM habe ich bereits ein sog. Smart Mobility-Depot ausgerufen. In den Premium Chancen werde ich nicht anders verfahren. Zu Deutsch: Ab Januar/Februar werden wir im NextGeneration-Depot ganz fokussiert auf Smart Mobility setzen. Ich versichere Ihnen, Sie werden in den Premium Chancen das Blei in der Batterie schmecken.