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22. November 2022

EPAM Systems trotzt dem Krieg und startet Comeback

Das US-Software-Unternehmen EPAM Systems hat jetzt schon Börsengeschichte für die Ewigkeit geschrieben. Es ist eine Geschichte eines beispiellosen Aufstiegs, eines dramatischen Absturzes und eines starken Comebacks.

Ein kurzer Rückblick: 1993 gründet ein Mann namens Arkadiy Dobkin in Princeton (New Jersey) die EPAM Systems. Das Unternehmen wird sich in den kommenden Jahren als einer der großen Software-Integratoren der Welt etablieren. Dabei hat man keine eigenen Anwendungen, sondern bringt z.B. die Amazon-Cloud oder die diversen SAP-Module zu den Kunden, richtet die Software vor Ort ein und schult das Personal. Aber ich habe der Zeit etwas vorausgegriffen.

2012 feiert EPAM in New York einen eher unspektakulären Börsengang. Anschließend steigt die Aktie um rund 6.000 %. Sie entwickelt sich in diesem Zeitraum ungefähr dreimal stärker als die Amazon-Aktie und sechsmal besser als Apple. Ende 2021 wird das Unternehmen belohnt und rückt in den S&P 500 auf.

Dann kommen am 24. Februar die Russen in die Ukraine, und EPAM wird in seinen Grundfesten erschüttert. Bereits am 28. Februar setzt das US-Unternehmen eine Gewinnwarnung und kassiert alle Prognosen für das Geschäftsjahr 2022. Der Inhalt der Gewinnwarnung ist brisant.

Das Unternehmen rechnet vor, dass man zum Jahresende 2021 weltweit exakt 52.617 Mitarbeiter auf den Lohnlisten führt. Davon sitzen 9.416 in Weißrussland, 8.933 in Russland und 12.389 an den ukrainischen Standorten Kiew, Charkiw und Lemberg. Per saldo sitzen 58 % der EPAM-Programmierer in der neuen Problemregion dieser Welt.

Mehr noch: Die Gewinnwarnung führt aus, dass das Unternehmen Cashbestände im Wert von 233 Millionen USD bei ukrainischen und russischen Banken hält. Ferner unterhält man vor Ort betriebskritisches Anlagevermögen im Gegenwert von 170 Millionen USD. Der Umsatz in der Region selbst ist nicht das Problem. Vor dem Krieg hatte EPAM lediglich etwas über 4 % seines Umsatzes mit westlichen Unternehmen in Russland erzielt.

Investoren in Panik – EPAM-Aktie kollabiert

Erwartungsgemäß geraten die Börsianer in Panik und werfen die Aktie weg. Binnen weniger Tage verliert die US-Aktie rund 50 % ihres ursprünglichen Börsenwertes. Anfang März notiert der Titel unter 200 USD. Als EPAM in den S&P 500 befördert worden ist, kostete die Aktie in der Spitze bis zu 700 USD.

Unterdessen revoltieren einige Exil-Ukrainer am Firmenstandort Newton (Pennsylvania) und fordern in einer offenen E-Mail eine klare Erklärung des CEO Arkadiy Dobkin. Er soll den Krieg und den Angreifer Russland verurteilen. Der Vorstand laviert und schneidet die ukrainischen Mitarbeiter von der konzerninternen Mail-Kommunikation ab. An der Wall Street fragt man sich besorgt, wer ist eigentlich dieser Dobkin. Sein Name klingt „verräterisch“. In der Tat, Dobkin ist gebürtiger Weißrusse aus Minsk. Ist er vielleicht noch mehr, nämlich ein Putin-Oligarch, der nächstens auf einer Sanktionsliste der EU oder der USA auftauchen wird?

Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, dass am EPAM-Standort Kiew kaum noch geregelt gearbeitet wird. Die Raketen fliegen über die Stadt, der Strom fällt teilweise aus, die Russen bringen das örtliche Internet runter. Einige Programmierer kommen im Tarnfleckenanzug ins Büro.

In Newton hat mittlerweile ein Krisenstab seine Arbeit aufgenommen. Die einzige Aufgabe: Haltet den Laden irgendwie am Laufen, sorgt dafür, dass wir die Aufträge durchbringen! Dabei wird das Unternehmen in den kommenden Tagen und Wochen davon profitieren, dass man über ein dichtes internationales Netz an Niederlassungen verfügt. Insgesamt programmieren EPAMer – so die Eigenbezeichnung der Mitarbeiter – weltweit in über 40 Ländern. Dieses Netzwerk hat das Unternehmen am Ende wahrscheinlich gerettet.

Man schaltet weltweit tausende frischer Stellenanzeigen, um den erwarteten Ausfall der ukrainischen Standorte zu kompensieren. Gleichzeitig werden die ersten Programmierer aus Kiew an die Niederlassungen in Polen und Ungarn evakuiert. Russisches Personal kann sich nach Taschkent (Usbekistan) versetzen lassen. Ganz am Rande nur: Nach belastbaren Schätzungen setzen sich bis Mitte April 300.000 Fachkräfte aus Russland ab. Die Mehrzahl dürften dabei IT-Leute gewesen sein, die von ihren eigenen Unternehmen transferiert worden sind.

Die Notmaßnahmen fruchten – 3. Quartal sensationell

Die Notmaßnahmen haben gefruchtet. So konnte man im dritten Quartal den Umsatz wieder um 24 % auf rund 1,2 Milliarden USD ausbauen. Pro Aktie verdiente EPAM 2,63 USD und damit fast 35 % mehr als im Vorjahresquartal. Natürlich, im zweiten Quartal war man wesentlich mit der Verarbeitung der Kriegsfolgen befasst und musste folglich einen Gewinneinbruch von über 83 % hinnehmen.

Interessant freilich: Auch im zweiten Quartal konnte man den Umsatz ausweiten. Das ist ein klares Indiz dafür, dass sich die Auftraggeber nicht von dem IT-Spezialisten abgewandt haben. Es ist auch ein klares Indiz dafür, dass die Produktion bzw. Programmierung im Unternehmen trotz des Ukraine-Kriegs nicht grundsätzlich gestört worden ist. Dank eines sauberen Krisenmanagements!

Wer sind eigentlich diese treuen Unternehmenskunden? Die Welt der EPAM ist das Großunternehmen. Hier erbringt man IT-Dienstleistungen etwa für Bacardi, Burberry, UBS, Swiss Re, General Electric oder Marathon Oil. Im Grundsatz können die EPAMer in praktisch jeder Branche Dienstleistungen erbringen. Gemessen am Umsatz stammen die meisten Kunden aus dem Bankensektor, dem Einzelhandel und der Logistik. Generell ist die Kundenkartei der EPAM Systems sehr gut diversifiziert. So halte ich das US-Unternehmen auch nicht für übermäßig konjunktursensibel. Irgendein Unternehmen wird immer nachfragen.

Der Hintergrund: Warum 58 % der Mitarbeiter in Osteuropa?

Wie bereits erwähnt, der Firmengründer Dobkin – hier seine Biografie – stammt selbst aus der Region und wurde dort als Ingenieur noch zu Sowjetzeiten ausgebildet. Generell war das Niveau der sowjetischen Ausbildung für technische Berufe durchaus brauchbar. Die Nachfolgestaaten wie Ukraine, Weißrussland oder gerade auch das Baltikum haben diese Kompetenzen nach 1989/90 weitgehend in die neue Zeit mitgenommen.

Deshalb ist Osteuropa heute neben Indien das große Zentrum für Auftragsprogrammierung und IT-Auslagerung (Outsourcing). Die Ukraine hat vor dem Krieg über 4 % ihres Bruttoinlandsproduktes allein durch solche Dienstleistungen erwirtschaftet. Dabei werden in die Region auch aufgrund der günstigen Personalkosten gerne Aufträge vergeben.

Ein ukrainischer Junior-Programmierer verdient bei EPAM umgerechnet rund 34.000 USD pro Jahr, ein Senior nur selten über 100.000 USD. Ein vergleichbarer Kollege, der im Silicon Valley sitzt, verdient um den Faktor 2 bis 3 besser. Rechnet man noch gewisse freiwillige Nebendienstleistungen des US-Arbeitgebers dazu, geht die Schere im Gehaltsgefüge noch weiter auf. Das Geschäftsmodell ist also recht einfach: „Billige“ Ukrainer oder Russen programmieren für westliche Unternehmen, die dann die Dienstleistung in Dollar, Euro oder Franken teuer bezahlen.

Ich fasse meine Kaufargumente zusammen: Im März war die massive Korrektur der EPAM-Aktie unvermeidbar, da keinerlei belastbare Informationen im Markt waren. Mittlerweile wissen wir allerdings, das Unternehmen wird überleben und 2023 wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Dennoch notiert die Aktie immer noch über 50 % unterhalb ihres Hochkurses aus dem vergangenen Jahr. Das wird nicht so bleiben.

Hat die Aktie eine Art Friedensfantasie? Wahrscheinlich schon! Ein Waffenstillstand oder sogar Frieden in der Region würde dem Unternehmen und damit auch seiner Aktie helfen. Eine solche Perspektive ist allerdings spekulativ und damit als Kaufargument nicht wirklich geeignet.

Sie handeln die Aktie der EPAM Systems am besten direkt in New York. Fassen Sie zu Kursen bis 342 USD zu. Hierzulande können Sie die Aktie wahrscheinlich ebenfalls ohne größere Probleme im Direkthandel Ihrer Bank oder über das Tradegate-System erwerben. Handeln Sie allerdings sicherheitshalber erst nach 15.30 Uhr unserer Zeit, also nach Eröffnung der New Yorker Börse.

Ich sehe die Aktie mit einer Gewichtung von 6 % für das NextGeneration-Depot vor.

So kaufen Sie diese Empfehlung:

WKN / ISIN:                    A1JS9Q / US29414B1044 

Börsenplatz:                  NYSE

Limit:                               kaufen bis 342,00 USD

Gewichtung:                  6 %

Depot:                             NextGeneration-Depot

Gattung:                          Start-up

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Gewichtung:                  6 % 
Depot:                             NextGeneration-Depot 

EPAM Systems Inc.

WKN / ISIN:    A1JS9Q / US29414B1044

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