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18. Januar 2023

Kion Group: Nach dem Kursdebakel ist vor der Hausse

Manchmal staunt man schon, wie tief einzelne Aktien fallen können. Beispiel Kion Group: Das Düsseldorfer Unternehmen gehört zum Adel des europäischen Maschinenbaus. Man produziert im Wesentlichen Gabelstapler und andere Flurförderfahrzeuge. Die Produkte sind weltweit geschätzt. Insgesamt arbeiten derzeit auf der Welt rund 1,6 Millionen Fahrzeuge der Kion Group in 8.000 Logistik- und Produktionshallen.

2006 ist das Unternehmen als Abspaltung aus der damaligen Linde AG entstanden. So stammen also die bekannten Linde-Gabelstapler schon lange nicht mehr von Linde, sondern eben von der Kion Group. Daneben gehören die Marke STILL sowie Dematic zum Portfolio des Düsseldorfer Unternehmens.

Die Kion-Töchter bauen selbstredend sowohl den Diesel- wie auch den Elektro- oder Wasserstoff-Stapler. Kurz zur Info: In der Logistik sind Wasserstoff-Fahrzeuge komplett etabliert. Amazon setzt etwa in seinen Verteilerzentren weltweit 15.000 Wasserstoff-Stapler ein, Konkurrent Walmart verfügt angeblich über 9.500 wasserstoff-angetriebene Förderfahrzeuge.

Seit mehreren Jahren ist Kion die Nummer 1 für Fahrzeuge der Intralogistik in Europa, in China ist man der größte ausländische Anbieter. Weltweit müssen die Deutschen nur den Japanern von Toyota Industries den Vortritt lassen. Ganz am Rande nur: Der Autobauer Toyota Motor ist aus Industries hervorgegangen. Beide Unternehmen sind heute quasi Geschwister im übergeordneten Toyota-Konzern.

Trotz aller Stärken ist die Aktie der Kion im vergangenen Jahr zeitweise um 80 % gefallen. Zurück bleibt eine der niedrigsten Aktienbewertungen des deutschen Qualitätssegmentes. So wird der Intralogistik-Spezialist im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von etwas über 10 Milliarden Euro erzielt haben. Gleichzeitig gesteht man dem Unternehmen derzeit nur eine Marktkapitalisierung von rund 4,7 Milliarden Euro auf der Börsenwaage zu. Hier erhalten Sie also für einen Euro Kurs gleich zwei Euro Umsatz. Das ist wirklich selten.

Im März wird der Wirtschaftsprüfer sehr wahrscheinlich einen inneren Wert oder Buchwert pro Aktie von rund 40 Euro testieren. Dafür bezahlen die Käufer der Kion-Aktie nur rund 35 Euro. Anders formuliert: Die Aktie wird aktuell mit einem schönen Rabatt von 5 Euro pro Stück verkauft. Auch das ist selten.

Das waren die zwei Faktoren des Kursdebakels

Wie Sie sicherlich schon längst verstanden haben, stammen die wichtigen Kunden der Kion Group aus den Branchen Logistik und E-Commerce. Unternehmen wie Amazon, Walmart oder hierzulande die Post und Zalando haben 2020/21 großartig verdient. Folglich hat man seine Verteilerzentren massiv ausgebaut und Gabelstaplerhersteller wie Kion und auch Jungheinrich mit zahlreichen lukrativen Aufträgen bedacht.

Im vergangenen Jahr ist dieser Trend mit der weitgehenden Verabschiedung des Virus zusammengebrochen. Die Kunden verließen wieder ihr Wohnzimmer und wendeten sich verstärkt dem klassischen Einzelhandel zu. In der Folge sackten Aktien wie Amazon oder Zalando zusammen. Mit ihnen kollabierte auch der Kurs der Kion-Aktie.

Faktor 2: Daneben hat der Aktienmarkt im vergangenen Jahr eine bevorstehende Rezession für 2023 eingepreist. Aktien, die in irgendeiner Weise als konjunktursensibel galten, wurden querbeet ausverkauft. Man sah eine große Krise für Industrie-Ausstatter, Anlagenbauer usw. voraus. Tatsächlich sprachen die Fakten vor allem Mitte 2022 für ein solches Szenario. So schrumpfte die US-Volkswirtschaft im ersten und zweiten Quartal um 1,6 bzw. 0,6 %. Das Wall Street Journal titelte damals: Die Rezession ist da.

Mittlerweile wissen wir, unsere Konjunktursorgen waren (glücklicherweise) überzogen. So ist die US-Volkswirtschaft bereits im dritten Quartal wieder spürbar gewachsen. Zwar sehe ich unverändert gewisse Rezessionsrisiken für das laufende Jahr. Nach allem, was wir momentan wissen und abschätzen können, spricht allerdings viel für eine ziemlich harmlose Abkühlung. Eine echte Konjunkturkrise sehe ich nicht.

Fazit: Natürlich musste die Aktie der Kion runter, nachdem das lukrative Pandemiegeschäft ausgelaufen ist. Der Kursrückgang von 80 % hingegen war stark übertrieben. Ich setze mit der Kaufempfehlung Kion Group darauf, dass diese Übertreibung in den nächsten Monaten sinnvoll korrigiert wird.

Wie bereits zuvor angedeutet wird die Kion-Aktie gegenwärtig mit 88 % ihres bilanzierten Eigenkapitals (Buchwert) bewertet. In den vergangenen Jahren wurde die Aktie im Schnitt mit etwa 200 % des Eigenkapitals bewertet, also mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 2. 2018 gestand der Markt der Aktie lediglich ein KBV von rund 1,5 zu.

Wenn wir konservativ diesen schwachen 2018er-Wert zur Orientierung heranziehen, hat die Aktie fast Verdoppelungspotenzial. In der Tat halte ich eine Verdoppelung des aktuellen Kurses auf Sicht von 12 bis 18 Monaten für eine rationale Kursbewegung. Selbst dann würde der Titel immer noch rund 30 % unter seinem (zugegebenermaßen übertriebenen) Rekordhoch von Ende 2021 notieren.

Der Großaktionär Weichai Power: Sind die Chinesen ein Risiko?

In den vergangenen Jahren hat sich der chinesische Motorenhersteller Weichai Power in zwei Tranchen bei Kion eingekauft. Dabei fanden die Chinesen offenbar die klangvollen Marken Linde oder STILL der Kion besonders sexy. Insgesamt halten die Chinesen rund 46 % der Kion-Aktien und beherrschen damit faktisch das Unternehmen. Im Aufsichtsrat ist Weichai mit drei Vertretern präsent.

Ich habe den Eindruck, dass die Kion-Führung ein eher rationales Verhältnis zu seinem Großaktionär pflegt. Man könnte sich das eigene Unternehmen sicher auch ohne die Chinesen vorstellen. Was sind die Risiken, was sind die Chance dieser Beteiligung?

Das Risiko: Natürlich wird über solche Beteiligungen regelmäßig Technologietransfer organisiert. Wie gesagt, die Chinesen haben bei Kion einen umfassenden Einblick. Andererseits sind beide Unternehmen keine direkten Konkurrenten. Weichai baut schwere Motoren etwa für Schiffe, Busse und Lkws. Dabei interessiert man sich besonders für den Wasserstoff-Motor. Zu diesem Zweck halten die Chinesen auch bedeutende Beteiligungen an Ballard Power sowie Ceres Power.

Kion beherrscht bekanntlich den Wasserstoff-Antrieb. In diesem Punkt sehe ich also ein gewisses Risiko, dass hier (unbezahlter) Technologietransfer zulasten der Deutschen stattfindet. Allerdings verliert Kion dadurch erst einmal kein Geschäft, da Weichai eben nicht im Segment der Flurförderfahrzeuge aktiv ist.

Die Chance: Die Kion-Aktie hat eine gewisse Übernahmefantasie. Die niedrige Bewertung des Unternehmens ist nicht nur für uns attraktiv, sondern natürlich auch für die Chinesen. Wenn man also dort eine weitere Aufstockung der Beteiligung oder gar eine komplette Übernahme erwägt, wäre der Zeitpunkt für eine solche Maßnahme sicherlich günstig. Konkrete Hinweise auf eine bevorstehende Übernahme habe ich allerdings nicht. Letztmalig hat Weichai 2018 Kion-Aktien gekauft.

In jedem Fall profitiert Kion Group über seinen Großaktionär von einem starken Zugriff auf den lukrativen chinesischen Markt. 2021 erzielte Kion dort knapp 7 % seines Umsatzes und meldete dabei für das China-Geschäft ein Wachstum von 30 %. Hier sehe ich für die Deutschen kurzfristig weitere Chancen, zumal China bekanntlich endlich vollständig aus der Null-Covid-Politik aussteigt. Generell gilt: Der asiatische Markt für Logistik-Anwendungen ist gemessen am Absatzvolumen bedeutsamer als Europa oder Nordamerika. Ich übertreibe leicht: Der Preis für einen Gabelstapler wird in China bzw. in der dortigen Region gemacht.

Meine Empfehlung: Holen Sie sich die Aktie nun für Ihr Risikodepot (NexGeneration-Depot) mit einer leicht reduzierten Gewichtung von 8 %. Dafür schlage ich Ihnen ein Kauflimit von 35,50 Euro vor. Geeignete Handelsplätze sind unter anderem Xetra oder Tradegate.

So kaufen Sie diese Empfehlung:

WKN / ISIN:                    KGX888 / DE000KGX8881

Börsenplatz:                  Xetra

Limit:                               kaufen bis 35,50 EUR

Gewichtung:                  8 %

Depot:                             NextGeneration-Depot

Gattung:                          Start-up

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WKN / ISIN:                    KGX888 / DE000KGX8881 

Börsenplatz:                  Xetra 

Limit:                              35,50 EUR

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Kion Group AG

WKN / ISIN: KGX888 / DE000KGX8881

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